Tag 7 – Energie

28.08.2015: von Norddeich nach Rheine

LaufKulTour-64

Kurz vor 2 Uhr am Deich beim Flugplatz Norden-Norddeich: Trotz steifer Brise versichert Caro, dass man beim Laufen schnell warm wird. Philipp & Philipp bereiten sich auf die ersten Kilometer an diesem Morgen vor. Radler Philipp mit mehreren Sätzen Liegestütz, Läufer Philipp mit einer Tasse „Earl Grey“. Schon von Weitem sind die Leuchten von Pauline & Falko zu sehen. Falko übergibt den „Staffelstab“ in hohem Tempo und mit einem strahlenden Lächeln.

Schon nach dem ersten flotten Kilometer fallen die ersten zwei Kleidungsschichten des Läufers. Im Windschatten geht es nah an der Wasserkannte entlang. Der Pfad ist zum Wasser hin recht abschüssig. Die gute Luft entlang der salzigen See und das starke Mondlicht begeistern uns. Trotz kaum mehr als 30 cm von Mund zu Ohr muss jedes Wort laut gerufen werden, Kommunikation gegen einen Kaltluftfön. Plötzlich Windstille, schlagartig nach der Kurve ein Laufen wie im geschlossenen Raum. 3000 m später der Wechsel zu Manuel.

Während Philipp nur müden Schafen begegnet war, die dröge vor sich hin gedöst haben, bekommen Manu und Philipp es mit putzmunteren Kühen zu tun. Nach 500 m im Weidegebiet der Riesen beschließen sie über den Stromzaun die Flucht hin zum Meer anzutreten. Vier Mal müssen sie solche Strombarrieren überqueren. Beim Passieren des letzten Zauns bleibt der immer frische Radbegleiter Philipp jedoch hängen und ist noch energiegeladener als je zuvor. Zur Beruhigung, und um die volle Pracht der Nacht zu genießen, beschließen beide ihre Leuchten auszuschalten. Der helle Schein des Mondlichtes reicht ihnen aus. Erst kurz vor dem 4-Uhr-Wechsel lösen sie den „Tarnmodus“ auf und erscheinen schlagartig vor uns.

Franziska ist an der Reihe. Das Leichtgewicht im Team rennt gegen den Wind an, Philipp bietet, wie zuvor, so gut es geht das Kreuz gegen den Sturm. Zäune werden von ihr elegant im Scher-Sprung bewältigt, ihr Begleiter vergibt Haltungsnoten. Jetzt eine der Schafsherden vor sich her treiben, um dem Wind die Kraft zu nehmen, das wär' es, aber nein, die flauschigen Zeitgenossen dürfen noch ein wenig schlafen. Ein schöner rot-gelber Leuchtturm zieht vorüber [Pilsumer Leuchtturm, bekannt aus Otto Waalkes Film – Anm.], der ersehnte Wechsel naht. Mit beherzten Sprüngen geht es die letzten Meter den Deich hinauf zu Steffen.

„Steffen wie hast du deinen Teil erlebt?“ - „Es ging gerade, gerade, gerade. Es war windig, kalt und dunkel – Nordsee eben. Lichtblicke boten nur die aufgehende Sonne und die baldige Ankunft bei einer großartigen Familie, welche uns nun schon seit 6 Jahren enorm unterstützt.“

bei Fam Groenewold

Ein sehr herzlicher Empfang wird uns im schönen Emden zu teil. Familie Groenewold, welche die Lauf-KulTour seit 2009 sehr unterstützt, hat ein riesiges Buffet norddeutscher Hausmannskost vorbereitet. Es langt locker für drei-dutzend Personen. Wir greifen beherzt zu und lassen es uns schmecken. Viele Familienmitglieder und Bekannte begrüßen uns im Verlauf des Tages, packen kräftig mit an und Spenden sogar Geld. Fast Zehn Waschmaschinenladungen Wäsche werden gewaschen und getrocknet. In geselliger Runde plauschen wir über bisher Erlebtes. Viele Erinnerungen an die vergangenen Jahre werden wieder lebendig. Die ganze Familie ist bestens über unser Vorankommen und etwaige Zipperlein informiert, wir werden wie selbstverständlich mit Namen angesprochen - die viel gepriesene norddeutsche Herzlichkeit. Herr Groenewold verfolgt alles detailliert vom Computer aus und weiß so auch genau Bescheid wer grad auf der Strecke ist und sich später zu Tisch begibt. Nach einer lang ersehnten Dusche verabschieden wir uns schweren Herzens… bis zum nächsten Jahr und auch an dieser Stelle nochmals vielen lieben Dank.

Mitradler und Spender

Der Benachbarte Reiterhof bot uns freundlicherweise einen sehr geräumigen Abstellplatz für die Wohnmobile an. Wir entschuldigen uns für die teils verstörende Geräuschkulisse, welche einige Herren bei der Massage produzierten. Manche Muskelverhärtung ließ sich eben nur unter animalisches Aufschreien und mit Tränen in den Augen lösen. Hoffentlich haben wir die Ponys nicht zu sehr erschreckt.

geschrieben von Team 1

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