persönlicher Tourbericht von Steffi

Unsere liebe Steffi hat die Tour mal aus ihrer persönlichen Sicht zusammengefasst. Lest also selbst wie man die Tour als Sportlerin erlebt:

Lauf-KulTour 2020

10 Tage, 12 Sportler, 11 Fahrräder, 4 Betreuer, 2 Presse-Organisatoren und ein Ziel: 1300 km zu Fuß und auf dem Rad zurücklegen und damit Spenden für die Aktion Benni&Co sammeln.

Zu aller erst möchte ich mich im Namen aller Tour-Teilnehmer ganz herzlich bei den aufnehmenden Städten, Vereinen, Freunden und Familienangehörigen bedanken, welche uns auf unserem Weg mit Unterkunft, Verpflegung und mentalem Beistand unterstützt haben. Ohne euch wäre eine Tour in dieser Form nicht möglich! Danke!

Der nächste Dank geht an alle Betreuer: Flo A., Janine, Lea und Philipp. Dadurch dass ihr euch die ganze Zeit darum gekümmert habt, uns zu verpflegen, einzukaufen, abzuwaschen, unser Gerödel ein- und auszuladen sowie umherzukutschieren und (fast) immer sofort an Ort und Stelle wart, wenn wir etwas gebraucht haben, konnten wir Sportler uns voll und ganz auf den sportlichen Teil fokussieren. Außerdem auch ein großes Lob an Steffen Kehrer und Marie-Chantal Laaser, welche uns den Rücken dadurch freigehalten haben, dass sie die ganze Organisation auf Tour und die unzähligen Pressetermine unterwegs koordiniert haben👍.

Wie sah so ein normaler Tagesablauf aus?

Damit nicht alle 11 Radfahrer die ganze Zeit im Lauftempo rollen müssen, wurde das Sportler-Team in 3 Gruppen zu je 4 Personen geteilt. Somit bildete immer ein Team das Läuferteam und konnte in selbst-gewählten Abständen durchrotieren, während die anderen 2 Teams vor- oder hinterherfahren und sich beispielsweise verpflegen, pausieren oder umziehen konnten. Die Laufetappe pro Gruppe lag bei 40-50km pro Tag - wie das Team diese Distanz aufteilte, blieb den Teams selbst überlassen.

Team 1 behielt zumeist eine Reihenfolge bei und lief die geviertelte Strecke pro Läufer am Stück. Das war nötig, da Läufer 1 und 2 auf nüchternen Magen gestartet sind und nach der Etappe von Läufer 2 erst einmal ausgiebig gefrühstückt wurde. Außerdem musste man sich ja noch für die anstehende Radetappe umziehen und anderweitig vorbereiten (Vaseline) 😉 Berichten zufolge dauerte dieses Prozedere mindestens 30 Minuten und damit so lange, dass die beiden ersten Läufer nicht immer pünktlich zum Wechsel von Läufer 3 auf 4 wieder mit ihrem Team aufgeschlossen hatten 😛

Unser Team "Mittagshitze" hatte morgens ein paar Minuten mehr Zeit und ist die Etappe bis zum ersten Wechselpunkt (WP) mit Team 3 gefahren.

Wenn wir in Turnhallen o.Ä. genächtigt haben, wurden wir meist gegen 4:30 liebevoll von Lysander Jankowsky geweckt (nicht). Daher war es nicht verwunderlich, dass auf dem ersten Streckenabschnitt (Rad) von Team 2 und 3 meist nicht allzu viel geredet wurde.

Am WP wartete schon das zweite Frühstück - oder erstes Mittagessen, je nachdem, wie man es sieht ^^

Reich an Kalorien war die Verpflegung definitiv, allerdings eher alles andere als gesund. Während der letzten 10 Tage zählten Schokobrötchen, Milchbrötchen, Schokomilch, Gummibärchen, Frischei-Waffeln, Schokolade, Müsli- und Fruchtriegel zu den Grundnahrungsmitteln. Ich glaube 3 oder mehr der ganz großen Nutella-Gläser sind auch leer geworden... Eben alles, was schnell/einfach Energie bietet, keine/wenig Zubereitung erfordert und leicht verdaulich ist. Da ich eher von der Sorte „herzhaft“ bin, orderte ich an Tag 2 Salzstangen, Chips und Käse. Hier nochmal ein kleines Dankeschön an die Betreuer, die wirklich ihr Bestes gegeben haben, unsere Wünsche zu erfüllen!

Neben dem ganzen Zucker-Fettgemisch wurden ab Tag 3 auch Brot/ Brötchen, Schinken, Salami und Käse bereitgestellt – ging weg wie warme Semmeln 😛

Ich weiß nicht genau, wieviel Käse wir verdrückt haben aber so eine 2kg Packung war nach nicht einmal 2 Tagen leer ^^ .

Weiter mit dem Tour-Ablauf:

Nach 30-60 Minuten an WP1 machte sich Team 3 meist wieder auf den Weg zum nächsten Wechselpunkt. Berichten zu Folge bestand die Kommunikation im Team größtenteils aus Handzeichen und gelegentlichen, verbalen Warnungen zum Fahrbahnuntergrund.

Anders in unserem Team, bestehend aus Lysander, Christian J., Flo F. und mir.


Nach der ersten Verpflegung und dem Auffüllen der Flaschen wechselten wir von Radschuhen und Radkleidung auf Laufschuhe und Laufkleidung, nebenbei wurde immer der Standort von Team 1 auf der Live-Karte verfolgt, um bereit zu sein, wenn diese auf uns übergaben. Da wir mit 3 Rädern weiterrollten, hat sich Betreuer Flo A. nebenbei darum gekümmert, Flo F.‘s Rad im Transporter zu sichern. Letzterer war zwar der größte in unserem Team, hat sich auf meinem Laufabschnitt aber immer bereiterklärt mit meinem, dem kleinsten Rad, zu fahren. Auf den Rädern der 3 Jungs bin ich kaum an die Pedale gekommen 😉 und so war klar, dass ich immer auf meinem Rad fahren musste.

Auf unserem Laufabschnitt hatten wir nahezu immer beste Laune, hauptsächlich Dank Lysander, der so klug war, seine Musik-Box mitzunehmen.

Unterwegs hörten wir ein bunt-gemischtes Potpourri jeglicher Musikrichtungen – den meisten Spaß hatten wir aber sicherlich, wenn die Kinderlieder liefen 😉

Kleine Anmerkung: Ich will bitte nie wieder „Ferien in Algerien“ hören 😛

Wir wechselten mal alle 5-6 km, mal lief jeder seinen Teil durch. Am letzten Tag haben wir uns allerdings einen kleinen Spaß erlaubt und jeden Kilometer gewechselt. So sind wir die knapp 44km in 2:48h gelaufen – Laktatparty, aber geil war es 😀

Meist schaffte es Team 1 uns irgendwann auf unserem Streckenabschnitt wieder zu überholen, an diesem Tag gelang es ihnen jedoch erst ca. 2 km vor WP2 😉 und das auch nur, weil Chris B. sein Team an WP1 gestresst hatte, da er uns unbedingt einholen wollte.

Angekommen an WP2 wurde wieder „zurückumgezogen“, erneut o.g. Nahrung aufgenommen und Flo’s Rad aus dem Transporter geholt. Nach einer ausgiebigen Pause (manchmal mit kurzem Nickerchen) haben wir uns mit Team 1 gemeinsam auf den letzten Tagesabschnitt gemacht. Auch wenn einem nach 10-13h Sport eigentlich nur noch 3 Dinge durch den Kopf gehen (Duschen, Essen, Schlafen), gab es quasi jeden Abend Pflichttermine in Form von Treffen mit Repräsentanten der Städte und dazugehörige Fototermine.

Zugegeben, sind diese Termine als Sportler meist sehr nervig – aber sie gehören eben dazu und sind ein wichtiger Teil der Tour. Um Spenden zu sammeln, muss man Aufmerksamkeit erregen und wie geht das besser als beispielsweise mit der Oberbürgermeisterin von Koblenz am Deutschen Eck posierend? 😉

Die Fotos und Videos, welche unterwegs entstanden sind, haben oft etwas Zeit (und Nerven) gekostet aber das entstandene Material kann sich sehen lassen und war die Mühe wert! Danke an sprenger-foto.de!

Nicht alle Pressetermine waren „nervig“ – so gab es aus meiner Sicht definitiv 3 sehr schöne Highlights:

  • Der <3-liche Empfang dutzender Kinder der Körperbehindertenschule in Langendreer. Mit Plakaten und klatschend wurden wir dort lautstark von freudigen Kinderaugen empfangen. Sicher nicht nur für uns eine willkommene Abwechslung!
  • Die Begleitung von gleich 3 Bürgermeistern plus Laufgruppe zu Fuß und auf dem Rad bei Treffurt – inklusive 2 Verpflegungsstellen und sehr interessantem Geschichtseinblick.
  • Die Wegbegleitung auf den letzten Kilometern in Gießen durch die ansässige Bürgermeisterin und Neu-Mitglied der Lauf-KulTour Danny Heilmann (gebürtig aus Limbach-Oberfrohna) mit abschließender Einladung zum Grillen.

Außerdem waren auch die Einladung durch den Triathlon-Verein Waldeck und die vielen, teils spontanen Begleitaktionen sowie Anfeuerungen sehr freudige Tour-Momente!

Der sportlich anspruchsvollste Tag war sicherlich Tag 9 – oder auch „die Besteigung des Mount Kyffhäuser“. Irgendjemand dachte sich im Vorfeld „Hmmm, das wäre doch ein schöner Foto-Spot und eine schöne Route dort hoch.“ – Spoiler: mit dem Rad eher nicht 😉

Zusammen mit Team 3 standen wir ca. 1,5km vor dem ersten Wechselpunkt vor einem zugewucherten Wanderweg – es hieß entweder 2 km zurück zur Straße und mehrere km Umweg fahren oder eben schieben und schauen, wie weit wir kommen. Wir entschieden uns für letzteres und so schoben und trugen wir unsere Räder den zum Teil sehr steilen, unbefestigten, mit Laub und entwurzelten Bäumen versperrten Weg bergauf. Wenige Tage zuvor hatte es schwer gestürmt, sodass der Weg auch nichtmehr als solches erkennbar war. Für diesen kurzen Abschnitt haben wir über eine Stunde gebraucht und waren heilfroh, als wir endlich am WP ankamen.

Belohnt wurden wir damit, dass der weitere Weg bergab ähnlich zugewuchert oder unbefestigt und steil war. Außerdem waren viele Stellen einfach nicht mit dem Rad befahrbar – zumindest für mich nicht 😉

Mein Motto des Tages war: Wer sein Fahrrad liebt, der schiebt!

Am Fuße des Berges gab es dann endlich wieder den heißgeliebten Asphalt. Zumindest für ein paar Kilometer, danach hieß es wieder: ungeliebter, grobschottriger Feldweg – und das fast für den Rest des Tages 😛

Aber was wäre die Lauf-KulTour ohne ein bisschen Abenteuer? ^^

Ich denke, wir haben auf der diesjährigen Tour sehr viel gelernt. Über uns selbst, über die anderen, was gut gelaufen ist, was man noch verbessern kann, welches Equipment man braucht und was ein Team alles schaffen kann.

Ich bin voller freudiger Erwartungen, wieviel Geld wir letztendlich an die Aktion Benni&Co spenden können!

Es war eine wirklich geile Zeit. Danke an alle! Mit euch – jederzeit wieder! <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Lauf-KulTour