Es wollte mir gerade langweilig werden, da ersann ich eine Reise nach Südamerika. Da die Welt gut vernetzt ist, erfuhr ich in Argentinien über den Plan Chemnitzer Studienkollegen, Deutschland laufend zu umrunden. Trotzdem oder weil ich gerade ganz andere Abenteuer erlebte, fand ich die Aktion mit dem herrlichen Namen „Lauf-KulTour“ recht interessant und es entstand schon da eine gewisse Ambition ähnliches mal selbst zu machen. Damals war an eine Neuauflage dieser Idee ja noch nicht zu denken. Im Nachhinein betrachtet, lernte ich im weiteren Verlauf meiner Reise vieles über das Laufen. In Ländern wie Bolivien und Peru war unverkennbar, das Laufen etwas zur Existenz beiträgt. Es wird zwar auch dort versucht, den täglichen Fußmarsch durch Bus und Auto zu verkürzen, aber das geht nicht ganz so wie bei uns, wo fast jeder ein eigenes Auto besitzt. Wer da nicht gewillt ist, wie selbstverständlich auch mal ein paar Kilometer zu Fuß zu gehen, hat schlechte Karten im Kampf ums tägliche Brot. Im kargen Andenhochland sah ich nicht nur, dass man auch in Autoreifensandalen voran kommt und Füße auch die Früchte eines ganzen Orangenbaumes tragen können, ich merkte auch, wie schwer einzelne Schritte sein können. Bei Bergtouren fängt man spätestens über 5000m Höhe schon mal an, sich über einzelne Schritte zu freuen, weil diese bei Schnee, Wind und Kälte hart erarbeitet werden müssen. Auf dem Gipfel angekommen ist man dann stolz auf das mit eigener Kraft geleistete, auf die vielen kleinen Schritte die zu dem hohen Ziel verhalfen, auch wenn dies von unten unerreichbar schien. Zurück in Deutschland wurde ich im Rahmen eines Praktikums im Gesundheitssektor weiter für die Thematik „Laufen“ sensibilisiert. Das Problem: Wir laufen zu wenig und werden dadurch krank! Was liegt da näher als selbst los zu laufen? Mit den „Lauferfahrungen“ der Anden und ein wenig Höhentraining im Gepäck begann ich zu laufen und ließ mein heiß geliebtes Rad stehen. Ok, es war Winter - dennoch, ich hatte mir zum Ziel gesetzt, mehr zu laufen. Erst langsam, dann länger, dann Marathon. Währenddessen erfuhr ich von der Neuauflage der Lauf-KulTour. Die Bilder vom Vorjahr waren beeindruckend, die Idee ganz und gar in meinem Sinne. Lauf-KulTour ist Wachrütteln, Vorbild sein und Helfen, aber auch Teamgeist, sportlicher Ehrgeiz und bissel verrückt sein. Mit der Lauf-KulTour verbinde ich die Möglichkeit anderen Menschen die selbst erfahrene Bedeutung des Laufens näher zu bringen. Ihnen zu zeigen, dass Laufen immer noch unsere Existenz sichert, weil es Gesundheit fördert, Menschen verbindet, Spaß macht und dass man weiter laufen kann als man denkt. Das in der Idee mit der Unterstützung der Gesellschaft für Muskelkranke e.V. auch diejenigen bedacht sind, welchen das Laufen nicht vergönnt ist oder schwer fällt, sehe ich als besondere Stärke des Projektes und Motivation. Natürlich ist mir die Anstrengung und sportliche Leistung, welche die 4000km abverlangen werden, bewusst und ein Anreiz. Deutschland einmal mehr und aus einer anderen, naturnahen Perspektive kennen zu lernen und mit den Menschen anderer Regionen in Kontakt zu treten, dabei noch was für seine Fitness zu tun, wer kann da noch widerstehen? Ich hoffe, dass wir als Team junger Menschen demonstrieren können, dass es sich bei dem, was wir tun nicht um ein „AusLauf-Modell“ handelt und möglichst viele Menschen motivieren können, sich selbst spontan und in Zukunft in Bewegung zu setzen. Dafür will ich nicht nur „beenln wie Sau“ sondern auch Überzeugungsarbeit leisten.